Das Kanu - ein Allrounder und Transportgerät

Die einbaumartigen Boote der Naturvölker aus dem karibischen Raum wurden "canoa" genannt. Die Bezeichnung wurde später für Einbäume, aber auch für Nichteinbäume, wie das Kanu des nordamerikanischen Kontinents, übernommen. Auf Haiti waren Boote mit einer Länge bis zu 30m für rund 80 Ruderer bekannt.
Die Ureinwohner Nordamerikas erstellten ihre Boote in Schalenbauweise, in einigen Gebieten auch aus geeigneter Birkenrinde, mit großem handwerklichen Können. An den Enden vernähten sie die Rindenteile geschickt miteinander, so dass eine günstige Form mit scharfen Schiffsenden, hohlen Wasserlinien, geschwungenem Seitbord und verhältnismäßig hohem Sprung vorn und achtern entstand. Für große Handelsgesellschaften in Nordamerika (z.B. Hudson-Bay Company) wurden von Voyageuren (= Berufspaddler) bis zu zwölf Meter lange Kanus gebaut und gewartet, mit denen Felle bei den Fallenstellern abgeholt und an die Küste gebracht wurden.

Als Bootstyp, der vorwiegend auf Binnengewässern verwendet wird, ist das Kanu oben offen und kann darum einfach beladen werden. Es wird knieend, mit einem Stechpaddel, fortbewegt. Das Paddel wird immer auf einer Seite geführt - durch spezielle Ausgleichsschläge sorgt man für gerade Fahrt. Sitzen mehrere Personen in einem Boot, paddeln die einen links und die anderen rechts, oft steuert nur der Hinterste - die vorderen sind für den Antrieb zuständig.

Das Kanu aus Kanada wurde als Sportboot (unter dem Begriff Kanadier) in der ganzen Welt bekannt und gehört seit etwa 1900 auf Flüssen und Seen Europas zu den beliebtesten Wassersportfahrzeugen. In Deutschland wurde 1914 der erste deutsche Kanuverband gegründet. Der Begriff Kanusport umfaßt heute den Kanu-, Faltboot - und Kajaksport.

Kanus wurden zu Beginn der Boomzeit um 1900 über Hamburg nach Deutschland eingeführt. Man nannte sie nach ihrer Herkunft umgangssprachlich Kanadier. Aber aufgepasst: in Kanada nennen sich die Einwohner Canadians (Canadiens) - die Boote nennt man allerdings Kanu (canoe).