Vom Lumpenkreuzer zum Olympiaboot
Bereits 1651 wurde vom Landgrafen Friedrich von Hessen ein Franzose erwähnt, der ein „kleines Schifflein von trefflicher und nützlicher Invention“ vorführte, welches zwei Personen trug und zusammengelegt in einem Sack getragen werden konnte. Im Jahr 1723 führte ein namentlich nicht bekannter Sachse August dem Starken auf der Elbe ein „Schnupftuchschiffgen“ vor.
Die eigentliche Entwicklung beginnt ca. 1850 in den USA, dort werden wie später auch in England stoffbespannte Gerüstboote gebaut. 1887 wurde dann in Deutschland ein Patent für ein „Faltboot“ erteilt. Der Architekturstudent Alfred Heurich konstruierte 1905 ein Faltboot in Kajakform. Dieser Typ setzte sich in den nächsten Jahren gegenüber den offenen Faltkanus durch. Dennoch wurde er anfangs von der Bevölkerung ob der starken Längsdurchbiegung und der schlaffen, meist undichten Leinwandhaut äußerst kritisch betrachtet und mit den Schimpfnamen Hadernkahn oder Lumpenkreuzer versehen.
Alfred Heurich verkaufte 1907 die Lizenz zur Alleinfabrikation seines Bootstypes "Delphin" an den Rosenheimer Johann Klepper. Bereits 1908 traten vier kleine Werften mit dem Bau von Faltbooten in Konkurrenz. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges warfen über 60 Hersteller etwa 150 verschiedene Faltboote auf den Markt. Faltbootpaddeln auf 10.000 m wurde 1936 olympische Disziplin.
Mit dem Aufkommen von glasfaserverstärkten Kunststoffbooten wurden die Faltboote in den 60er und 70er Jahren in der BRD vorübergehend vom Markt verdrängt. Die Faszination dieser Paddelsportart ist geblieben und so feiert das Faltboot seit einigen Jahren sein Comeback.